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Post aus El-Minya, Ägypten

Endlich ist sie da. Die Postkarte von Karin und Thomas aus El-Minya. Auch sie nutzen Count per Day. Darüber kamen wir in Kontakt und konnten zusammen einige Probleme lösen, die das Internet so mit sich bringt. Irgendwann in dieser Zeit muss es passiert sein, dass in Thomas der unwiderstehliche Wunsch erwachte, sich per Postkarte bei mir zu bedanken. :-D

Post aus El-Minya

Nun liegt El-Minya in Ägypten und ihr wisst was da gerade los ist. Deshalb das "Endlich" zu Beginn dieses Artikels. Die Postkarte brauchte allein 4 Wochen um den Weg übers Mittelmeer und die Alpen zu mir zu finden. Doch schon bis sie ihre lange Reise beginnen konnte war es ein steiniger Weg.

Hier ist ihre Geschichte, erzählt von Thomas in einer Email am 24. Februar:

Seit nun mehr als 3 Wochen versuche ich diese Karte zu verschicken. Woran es scheiterte?

Die Araber sind UNHEIMLICH kreativ in der Erzeugung von Problemen.

Tag 1: Ich ging mit der Karte zur Post um eine Briefmarke zu kaufen. Nach 30 Minuten in der Schlange erzählte mir der Mann hinterm Schalter: Heute gibt es keine Briefmarken.

Tag 2: Wiederum ging ich zur Poststelle und stand in der Schlange. Endlich am Schalter erhielt ich folgende Auskunft: Postkarten können so nicht verschickt werden, die sollten in einem Kuvert stecken. Wie bitte? Aber okay, hier ist ja so einiges möglich.

Tag 3: Ich bastel einen Umschlag, da es hier für Postkarten keine geeigneten Kuverts gibt. Also Adresse drauf geschrieben, ab zur Post. Wieder das gleiche Spiel: Anstehen – und warten. Nachdem ich endlich an der Reihe bin, und auch alle notwendigen Papiere ausgefüllt sind werden ich gefragt, wohin das gehen soll – nicht dass es auf dem Umschlag stünde – NEIN. Sogar in arabisch habe ich Deutschland drauf geschrieben. Zu guter Letzt muss der gute Mann die Hauptfiliale anrufen, da er den Preis nicht kennt für einen Brief nach Deutschland. Weitere 15 Minuten später erzählt er mir dann: Keiner kennt den Preis für den Versand. Also gut. Ich geb auf.

Tag 4: Aber ich lass mich ja nicht unter kriegen. Ich habe ja noch einen Trumpf im Ärmel. Ich frag einfach meine einheimischen Kollegen. Ich pack die Karte wieder aus dem Umschlag und schicke einen Kollegen los. Das dauert nur etwa 3 bis 4 Tage. Die Karte liegt noch immer auf meinem Schreibtisch.

Tag 9: Ich frage einen zweiten Kollegen, der leitet eine Jugendgruppe. Er sagte mir, er habe einen Jungen geschickt, um eine Briefmarke zu kaufen – wieder 4 Tage vergehen.

Tag 14: Auf anfrage was denn nun mit meiner Post sei, erklärte mir mein Kollege, dass die Poststellen alle als Bewerbungsbüros genutzt werden, für alle freien Stellen nach der Revolution im Land. Das heißt, jede Menge Leute die Bewerbungen abgeben und die Post bleibt liegen. NA SUPER.

Tag 15: Aber jetzt, ich komme noch einmal nach Kairo, und wie es der Zufall will, finde ich eine kleine Postfiliale, etwas abgelegen und ohne Massen an Menschen. Und prompt – ich bekomme eine Briefmarke. Noch nie – NOCH NIE habe ich mich so über eine Briefmarke gefreut, wie über diese beiden. Heute (24.02.) Werde ich sie Dir schicken, und hoffe Du erhältst sie wohl behütet.

Thomas ich kann dir versichern, dass die Karte heil und gesund bei mir angekommen ist. Vielen Dank für all die Mühe! :thumbsup: